Nextcloud, Ionos und Proton, eine Gruppe europäischer Technologieunternehmen, haben eine Vorschau auf ein Euro-Office genanntes, auf OnlyOffice basierendes Open-Source-Produktivitätspaket veröffentlicht. Das Projekt zielt darauf ab, europäischen Regierungen und Unternehmen eine lokal entwickelte Alternative zu Microsoft Office anzubieten. Die stabile Version 1.0 wird für später in diesem Sommer erwartet und die Vorschau ist auf GitHub verfügbar.

Euro-Office bietet Funktionen wie einen Texteditor, einen Tabellenkalkulationseditor, ein Präsentationstool und einen PDF-Editor. Es unterstützt Microsoft Office-Formate (DOCX, PPTX und XLSX) sowie offene Standards wie ODF.

Lizenzstreit um den Euro-Office Fork

OnlyOffice hat die Rechtmäßigkeit des Forks öffentlich in Frage gestellt. Der Code des Projekts ist unter der GNU Affero General Public License v3 (AGPLv3) lizenziert, und OnlyOffice argumentiert, dass die zusätzlichen Bedingungen im Abschnitt 7 dieser Lizenz nicht von der Hauptlizenz getrennt werden können.

Jede Argumentation, dass eine modifizierte oder abgeleitete Version unter der 'reinen' AGPLv3-Lizenz verteilt werden kann, ist rechtlich unbegründet, erklärte OnlyOffice.

Das Recht, abgeleitete Werke zu schaffen und zu verteilen, basiert ausschließlich auf der Gewährung der Lizenz und ist bedingt und untrennbar. Die Entwickler von Euro-Office haben auf diese rechtliche Behauptung nicht öffentlich reagiert, und der Streit ist derzeit ungelöst.

Gründe für den Euro-Office Fork

Die Entwickler von Euro-Office nennen zwei Hauptgründe für die Schaffung eines Forks anstelle einer direkten Zusammenarbeit mit OnlyOffice. Der erste Grund ist geopolitisch: Obwohl OnlyOffice offiziell in Lettland ansässig ist, wird berichtet, dass das Entwicklungsteam größtenteils in Russland ansässig ist. Die Entwickler äußern, dass diese Situation, angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen, Bedenken hinsichtlich Vertrauen und Transparenz aufwirft, die die Zusammenarbeit erschweren.

Der zweite Grund ist technischer Natur: Das Euro-Office-Team behauptet, dass die Mitarbeit an OnlyOffice unmöglich oder stark abschreckend sei und dass die Bauanleitungen unzuverlässig, veraltet oder einfach fehlerhaft seien. OnlyOffice weist diese Beschreibung der Entwicklungsprozesse zurück, erkennt jedoch an, dass der Fork die geschäftlichen Aktivitäten beeinträchtigen könnte.

Euro-Office und die Ziele der digitalen Souveränität Europas

Euro-Office ist Teil der Bemühungen um digitale Souveränität; öffentliche Institutionen und Unternehmen zielen darauf ab, mehr Kontrolle über die Software, Verwaltung und Entwicklungspläne der in kritischen Infrastrukturen verwendeten Tools zu erlangen. Das Projekt stellt sowohl US-amerikanischen Produktivitätspaketen als auch bestehenden Open-Source-Optionen, die außerhalb Europas verwaltet werden, eine Herausforderung.

Derzeit ist der Lizenzstreit zwischen Euro-Office und OnlyOffice ungelöst, und OnlyOffice hat keine rechtlichen Schritte wegen der angeblichen Lizenzverletzungen eingeleitet.